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Gerissene Felge am Fahrrad

Gerissene Felge am Fahrrad ersetzen und Laufrad neu einspeichen

Eine gerissene Felge am Rad ist kein Spaß und muss sofort ersetzt werden. Dazu muss man nicht gleich das Laufrad komplett tauschen. Die Felge kann einzeln ersetzt werden. Der Einbau ist aber etwas aufwändiger.

Ein ganzes Laufrad samt Felge, Speichen, Nabe etc. ist je nach Qualität und Einsatzbereich teuer. Wenn ihr eine beschädigte oder sogar gerissene Felge habt, ist es deutlich günstiger, nur genau diese auszutauschen. Leider ist der Aufwand nicht ganz gering. Mit ein wenig handwerklichem Geschick bekommt man das aber ohne viel Spezialwerkzeug gut hin.

Ein wenig Hintergrundwissen zu Fahrradspeichen findet ihr im Artikel „Gebrochene Speiche am Fahrrad reparieren“.

Worauf beim Kauf einer neuen Felge achten?

Gehen wir einmal davon aus, dass ihr weder das System noch die grundsätzlichen Abmessungen eurer Felge verändern wollt. Das heißt, ihr wollt mehr oder weniger die gleiche Felge erneut kaufen.

Folgende Parameter müsst ihr bei der Auswahl einer neuen Felge berücksichtigen:

  • Als erstes fangen wir mal mit der Laufradgröße an, also 28, 27,5, 26 oder 29 Zoll usw.
  • Das Material von Felgen ist in der Regel Aluminium, Carbon oder Stahl.
  • Die neue Felge muss zu eurem Bremssystem (Disc oder Felgenbremse) passen.
  • Die Maulweite wäre bei Schlauchreifen nicht relevant. Anders bspw. bei Drahtreifen. Sie ist der Abstand zwischen den sogenannten Felgenhörnern. Das ist quasi der Bereich, in dem der Mantel sitzt.
  • Die Felgenbreite sollte zu den Mänteln passen, die ihr fahren wollt – oder natürlich umgekehrt, falls ihr neue kaufen möchtet. Mittlerweile werden auch bei Rennrädern nicht mehr ganz so schmale Felgen verbaut, wie es früher oft der Fall war. Zudem könnt ihr oft noch bei der Felgenhöhe Unterschiede machen.
  • Jede Felge besitzt Löcher für die Speichen. Da ihr die Nabe nicht gleich mit wechseln wollt, muss die Lochzahl identisch zur alten Felge sein. Die könnt ihr also einfach abzählen.
  • Zu guter Letzt könnt ihr euch manchmal noch die Farbe aussuchen. Üblich sind hier aber oft nur silber oder schwarz.

Klingt jetzt vielleicht komplizierter, als es ist. Die meisten Parameter habt ihr schnell zusammen und etwas „kompliziertere“ wie die Maulweite und Felgenhöhe ergeben sich dann automatisch. Gut einfach direkt in entsprechenden Online-Shops, sobald ihr ein paar Merkmale habt.

Benötigtes Werkzeug und Material

Werkzeug braucht ihr zum Glück nicht viel:

  • Nippelspanner

    Um die Speichen zu spannen benötigt ihr dieses kleine Werkzeug. Zur Not geht auch eine Zange, aber das macht bei einer kompletten Einspeichung nicht so viel Spaß.

  • Schlitzschraubendreher
  • Schlüssel zur Demontage des Laufrades
  • Schraubensicherung

    oder Fett oder Öl.

  • Eine neue Felge

Ja, ein Zentrierständer und ein Tensiometer zur Messung der genauen Speichenspannung wäre klasse, geht aber ordentlich ins Geld und ist nur sinnvoll, wenn ihr regelmäßig Laufräder einspeicht.

Grundsätzlich wäre ein Austausch der Felge auch eine gute Gelegenheit, um Speichen und Nippel zu ersetzen. Das geht aber schnell ins Geld und solange die alten Teile noch in Ordnung sind, würde ich hier nicht alles neu machen.

Altes Laufrad demontieren

Damit ihr die neue Felge verbauen könnt, müsst ihr natürlich das Laufrad zunächst einmal komplett zerlegen. Wichtig ist, dass ihr euch die bisherige Einspeichung, quasi das Muster der Speichen, genau merkt, bzw. schaut, welches Standardmuster hier verwendet wurde. Macht euch am besten ein paar Fotos. Zumeist sind Vorder- und Hinterrad gleich eingespeicht, dann könnt ihr das jeweils andere Laufrad als Vorbild nehmen.

  1. Zur Demontage nehmt ihr das Laufrad aus dem Rahmen.
  2. Mantel, Schlauch und Felgenband entfernen.
  3. Die Speichennippel könnt ihr vom Inneren der Felge üblicherweise mit einem Schlitzschraubendreher herausschrauben.
  4. Die Speichen könnt ihr in der Nabe hängen lassen. Das spart euch das Einfädeln.

Laufrad mit neuer Felge aufbauen

1. Gewinde schmieren

Die Speichengewinde und -löcher in der Felge solltet ihr mit Fett oder Öl schmieren. Wenn ihr einen ganz sicheren Halt haben möchtet, könnt ihr hier auch eine Schraubensicherung verwenden.

2. Die Felge zurechtlegen

Setzt euch auf einen Stuhl o. ä. und legt euch anschließend die Felge auf den Schoß. Tragt dabei keine gute Hose 😉.

Es gibt bei Felgen (meines Wissens) übrigens keine Richtung. Ich würde hier nach optischen Gesichtspunkten (Schriftzüge) entscheiden, was die linke und was die rechte Seite wird. Was sich unterscheidet, sind die Löcher in der Felge, hier gibt es welche, die weiter links, andere weiter rechts in der Felge sitzen. Darauf müsst ihr später achten.

3. Speichen in die Nabe hängen

Speichengruppen
Speichengruppen

Die Speichen sollten ja noch in der Nabe hängen. Ansonsten könnt ihr das jetzt noch einmal machen. Ggf. ist es einfacher, wenn ihr in Gruppen von gleich verlaufenden Speichen vorgeht (siehe Bild).

4. Die erste Speiche einbauen

Die erste Speiche ist wichtig und ihr müsst euch am Speichenmuster orientieren. Da wir aber von vorher oder durch das jeweils andere Laufrad ein Muster haben, können wir uns daran orientieren.

Achtet jetzt darauf, ob das Loch in der Felge nach links oder rechts geht. Löcher, die nach links zeigen, müssen zum linken Nabenflansch gehen und umgekehrt. Ihr beginnt mit einer Speiche direkt neben dem Ventilloch oder ein Loch weiter, abhängig davon, zu welcher Seite das Loch zeigt.

Beim Ventilloch ist es primär wichtig, dass die Speichen hier alle vom Ventilloch weglaufen, damit man später problemlos den Reifen aufpumpen kann.

Jetzt setzt ihr die erste Speiche in die Felge ein und zieht den Nippel leicht an. Ein paar Umdrehungen reichen. Wenn ihr keine Rundspeichen habt, müsst ihr ggf. auch noch auf die Ausrichtung der Speiche selbst achten.

5. Die weitere Speichen verschrauben

Wenn ihr gruppenweise vorgehen wollt, macht ihr einfach reihum mit den Speichen dieser Gruppe weiter. Anschließend kommt die nächste Gruppe an die Reihe. Ansonsten könnt ihr aber auch ringsum alle Speichen nacheinander befestigen.

Befestigen heißt bis hier hin wie gesagt mit wenigen Umdrehungen leicht anziehen.

6. Laufrad einbauen

Da ich keinen Zentrierständer besitze, baue ich das Laufrad jetzt wieder in den umgedrehten Rahmen ein. So habe ich quasi schon mal einen Ständer.

Die Zentrierung kann man bei Rädern mit Felgenbremse ganz gut mit den Bremsbacken vornehmen. Ansonsten habe ich im Artikel „Hilfe, wenn das Fahrrad eiert – Laufrad zentrieren, Reifen richtig montieren” noch ein paar Tipps für euch.

7. Erstes Zentrieren

Jetzt sind alle Speichen eingesetzt. Als nächstes schraubt ihr die Speichen soweit fest, dass das Speichengewinde gerade nicht mehr zu sehen ist. Das geht am besten mit einem Schraubendreher vom Inneren der Felge aus. Ziel ist eine möglichst gleiche Spannung aller Speichen.

Prüfe noch einmal, dass alle Speichen sauber in den Bohrungen des Nabenflansches liegen.

8. Speichen spannen

Üblicherweise sind alle Speichen jetzt noch recht locker. Ziehe sie daher jetzt alle gleichmäßig mit dem Schraubendreher mit einer Umdrehung an. Beginne am Ventilloch. Das wiederholst du so lange, bis das Laufrad eine gewisse Stabilität erhält.

Wichtig: Nicht übereifrig werden und mehrere Umdrehungen auf einmal machen. Beim Einspeichen ist es wichtig sehr kleinschrittig vorzugehen, auch wenn es nervt.

Achte auf folgende Merkmale:

  • Mittige Ausrichtung des Laufrades im Rahmen.
  • Kein Seitenschlag, also die Felge darf nicht an einzelnen Stellen nach links oder rechts ausbrechen.
  • Kein Höhenschlag, das heißt, dass die Felge nicht irgendwo „nach oben oder unten“ ausbricht.
  • Gleichmäßige Speichenspannung.
Einspeichung
Vorder- und Hinterrad bei einer Kettenschaltung

Beim Vorderrad werden die Speichen üblicherweise auf der linken und rechten Seite gleichmäßig eingespannt. Beim Hinterrad und einer Kettenschaltung ist der Speichenverlauf auf der Seite der Ritzel in der Regel steiler. Das merkt man aber schon, wenn man auf eine mittige Ausrichtung im Rahmen achtet und ansonsten den gleichen Achsaufbau inkl. Spacern wie zuvor verwendet.

Korrekturmaßnahmen findet ihr im Artikel „Hilfe, wenn das Fahrrad eiert – Laufrad zentrieren, Reifen richtig montieren”. Arbeitet dabei in noch kleineren Schritten (Viertel- oder sogar Achtelumdrehungen).

Wann ist die maximale Speichenspannung erreicht? Eine gute Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Ein Hilfsmittel wäre ein Tensiometer, den ich mir aber nicht gekauft habe. Viel findet man die Aussage, dass man die Tonhöhe beim Anzupfen einer Speiche als Maß nehmen kann, aber dazu fehlt mir die Referenz. Ich orientiere mich immer an der Festigkeit bei anderen Rädern, bzw. dem Begriff „handfest“.

9. Spannungsspitzen abbauen

Beim Einspeichen kommt es vor, dass sich Speichen quasi ineinander verhaken und in den Berührungspunkten Spannungen aufbauen. Die kann man auflösen, in dem man zum Beispiel mit einem großen Schraubenschlüssel die Speichen voneinander kurz löst. Es ist gut möglich, dass du jetzt noch einmal Zentrieren musst.

Zentrierung überprüfen

Nach den ersten Fahrten solltet ihr die Zentrierung des Laufrads immer mal wieder prüfen. Als Hobbyschrauber ohne Profiwerkzeug ist gerade eine korrekte Speichenspannung und eine verdrehungsfreie Einspeichung gar nicht so einfach herzustellen. Das macht sich dann schnell bemerkbar und euer Laufrad läuft nicht rund. Dann heißt es nachzentrieren. Spätestens jetzt solltet ihr einen Nippelspanner verwenden.

Ganz grundsätzlich ist das erneute Einspeichen eines Laufrades kein Hexenwerk, denn man hat ja quasi eine Mustervorlage. Ein perfekt zentriertes Laufrad erfordert aber schon einige Erfahrung. Wer sich als Hobbyschrauber an die Sache traut, sollte mit viel Geduld an das Ganze herangehen.

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