search facebook instagram twitter google youtube rss comment
Singlespeed-Umbau

Altes Fahrrad selber günstig zu einem Singlespeed umbauen

Werkstatt
Singlespeed-Fahrräder haben ihren Reiz und auch ihre Vorteile. Besonders alte Fahrräder eignen sich gut für einen günstigen Umbau, den man selber durchführen kann.

Man kann natürlich ein neues Rad direkt als Singlespeed-Fahrrad kaufen, aber ich habe bisher immer nur alte Räder entsprechend umgebaut. Zumeist weil die alte Gangschaltung defekt war und ich kein Geld für einen Ersatz ausgeben wollte.

Bei den meisten Rädern hat es sich um Rennräder mit Stahlrahmen gehandelt, aber es war ebenfalls ein Hollandrad dabei, dass nur dafür da war wenige Kilometer zwischen Bahnhof und Arbeit zurückzulegen. Dafür sollte es möglichst wartungsarm sein.

Wenn man ein altes Rad umbauen möchte, dann gibt es ein paar Dinge zu beachten, da sich nicht jedes Rad gut eignet. In diesem Artikel findet ihr meine Erfahrungen. Über Anregungen und weitere Tipps würde ich mich freuen, denn im Prozess ist teilweise eine gewisse Kreativität gefragt. 😉

Singlespeed vs. Fixie

Ein Singlespeed-Bike, oder Eingangrad, hat, wie der Name schon sagt, nur einen einzigen Gang und besitzt damit keine Gangschaltung. Grundsätzlich kann eigentlich jedes Rad ein Singlespeed sein – egal ob Rennrad, Bahnrad, Hollandrad, Trekkingbike oder Mountainbike.

Ein Fixie (Fixedgear) ist ein spezielles Singlespeed-Rad. Das Fixie hat keine Freilaufnabe, sondern eine starre Hinterradnabe (starrer Gang).

Bei einem Rad mit Freilauf könnt ihr einfach aufhören zu treten und das Hinterrad rotiert ganz normal weiter. Der Freilauf entkoppelt dabei quasi das Laufrad und das hintere Ritzel. Bei einem Fixie ist das nicht der Fall. Solange sich das Rad bewegt, egal ob rück- oder vorwärts, bewegt sich der gesamte Antrieb inkl. Tretlager und Kurbel mit.

Wenn man bei einem Fixie aufhört zu treten, muss man der Antriebsbewegung entsprechend Muskelkraft über die Pedale entgegensetzen und erzeugt dabei durch das Blockieren des Hinterrads eine Bremsbewegung. Daher wird bei Fixies häufig auf Bremsen verzichtet.

Ganz ohne Bremsen ist das Fahrrad in Deutschland nicht verkehrssicher (siehe dazu mein Beitrag Mountainbike stadttauglich und verkehrssicher machen), da man zwei voneinander unabhängige Bremsen benötigt (§ 65 Abs 1 StVZO). Strittig ist wohl noch, ob der starre Gang selber als Bremse gezählt werden kann. 🤔

Da die Polizei in Münster bei Fahrradfahrern sehr genau hinschaut, habe ich auf den Schritt zum Fixie immer verzichtet. Auch wenn mich das noch puristischere schon irgendwie anspricht… 😎

Gründe für ein Singlespeed und Vorteile

  • Durch den Verzicht auf Schaltkomponenten, wird das Rad im Vergleich günstiger.
  • Hat man ein altes Rad mit defekter Gangschaltung, kann man dies mit geringem Geldeinsatz wieder fahrtüchtig machen.
  • Weniger Technik macht das Singlespeed weniger anfällig für Defekte und wartungsärmer.
  • Auch wenn die Bedienung einer Schaltung sicher kein Hexenwerk ist, ist ein Singlespeed leichter zu handhaben.
  • Der Verzicht auf die Schaltung führ auch zu einem geringeren Gesamtgewicht.

Keine schlechten Argumente! Aber wie steht es um die Nachteile?

Nachteile

Der eine Gang stellt immer einen Kompromiss dar: zu schwer vs. zu leicht.

Schwerer Gang:

  • nicht besonders gut für (große) Steigungen geeignet (in Münster nicht so das Problem 😉)
  • beim Anfahren kommt man nur langsam los
  • mit Anhänger o. ä. problematischer

Leichter Gang:

  • in flachem Gelände schnell am Ende/kein Widerstand mehr

Insgesamt geht einem mit nur einem Gang auch ein gewisses Maß an Komfort verloren.

Welche Optionen hat man beim Singlespeed-Umbau?

Wenn ihr schon ein altes Rad habt und das zu einem Singlespeed-Fahrrad umbauen möchtet, sehe ich im Wesentlichen hier zwei Möglichkeiten:

  1. spezielles Ritzel, Kettenblatt und Kette für Singlespeed neu kaufen
  2. günstig: alte Komponenten nutzen (Kette, Kettenblätter und Ritzel)

Hier seht ihr die erste Option mit neuen Teilen:

Mir geht es hier um die zweite Option. Neu kaufen kann ja jeder 😉

Beachtet bitte:

Ist dieser Umbau mit bestehenden Komponenten optimal? Nein, aber günstig.

Solltet ihr doch etwas tauschen wollen: Antriebsteile für Singlespeed haben oft andere Größen (1/8″, 3/32″). D. h., dass diese Teile in der Regel nicht mit vorhandenen Komponenten kompatibel sind!

Worauf muss man bei einem Rad achten, damit es für Singlespeed geeignet ist?

Mir geht es hier im Wesentlichen um den Fahrradantrieb. Unter Singlespeed- und insbesondere Fixie-Räder verstehen viele nicht nur den Umbau des Antriebs, sondern auch einen speziellen Look des ganzen Rades. Das kann natürlich jeder gestalten wie er möchte und hier gibt es viele Möglichkeiten sich kreativ auszutoben. 🌈

Für den Umbau gibt es drei zentrale Elemente:

  • Am besten ist es, wenn ihr einen Rahmen mit horizontalen Ausfallenden habt. Das ermöglicht es, die Kette zu spannen. Zumindest, wenn man auf den Kauf eines Kettenspanners verzichten möchte.
  • Wir wollen nur noch mit einem Kettenblatt fahren. Daher sollte die Möglichkeit bestehen, die anderen entsprechend zu entfernen.
  • Wenn wir die, bzw. ein bestehendes Ritzel nutzen wollen, müssen die anderen ebenfalls entfernt werden können. Zudem muss es möglich sein, nur ein Ritzel auf dem bestehenden Kranz zu montieren. Das ist bei Schraubkränzen zumeist bei den kleineren Ritzeln gut möglich.

Der Umbau zum Singlespeed

Benötigtes Werkzeug

Im Wesentlichen werdet ihr folgendes Werkzeug benötigen:

  • Kreuz- und Schlitzschraubendreher
  • verschiedene Inbus- und Schraubenschlüssel
  • Zollstock oder Messschieber
  • Seitenschneider
  • Kettennieter
  • Freilaufabzieher

    Hier kommt es sehr auf euer Ritzel an. Es gibt unzählige von den Dingern.

  • Kettenpeitsche

    Manchmal sind auch zwei sinnvoll/notwendig.

  • Konusschlüssel
  • Kurbelabzieher

1. Gewünschten Gang bestimmen

Sollte die Schaltung noch funktionieren, einfach etwas fahren und dabei verschiedene Gänge (Kombination aus Kettenblatt und Ritzel) testen und sich für einen entscheiden. Bei alten Rädern ist zumeist das äußere Kettenblatt mit der Kurbel verschweißt. Daher ist das ggf. ein Fixpunkt.

Ggf. könnt ihr es euch bei den Ritzeln auch einfacher machen. Diejenigen, die geschraubt werden (meist die kleineren), erfordern nachher etwas weniger Arbeit. Eine Kombination aus kleinerem Ritzel und großem Kettenblatt führt allerdings auch zu einem „schweren“ Gang. Oberschenkeltraining 💪🏻

Denkt daran, wo ihr später mit dem Rad unterwegs sein wollt. Den Gang kann man so ohne Weiteres nicht wieder ändern.

2. Unnötige Teile entfernen

Ihr könnt natürlich alles Überflüssige dran lassen, aber… nein 😜

Schalthebel, Schaltzüge und -hüllen, Schaltwerk sowie Umwerfer können weg. Einfach ins Ersatzteillager legen oder verkaufen.

Wer sich ganz viel Arbeit machen möchte und sich sicher ist, dass er das Rad nie nie nie wieder zurückbauen möchte, kann die Zugführungen vom Rahmen abflexen. Aber dann muss man die entsprechenden Stellen natürlich wieder lackieren… Also lieber nicht machen.

3. nicht benötigte Kettenblätter entfernen

Ihr wisst ja jetzt, für welches Kettenblatt ihr euch entschieden habt. Dann könnt ihr die anderen entfernen. Ggf. sind neue Kettenblattschrauben erforderlich, wenn die alten noch erforderlich sind und jetzt aufgrund von fehlenden Blättern überstehen.

4. nicht benötigte Ritzel entfernen

Das ist der schwierigste Teil. Ziel ist es, dass Kettenblatt und Ritzel in einer Flucht stehen, damit die Kette in einer parallel zur Fahrtrichtung läuft (gerade Kettenlinie).

Hier kommt es sehr auf euer Ritzelpaket an. Bisher konnte ich bei alten Rennrädern meist den Schraubkranz nutzen und einfach eines der kleinen Ritzel montieren.

Wenn ihr euch für ein Ritzel entschieden habt, dass nicht geschraubt, sondern nur gesteckt wird, ist ggf. etwas Kreativität gefragt. Dieses wird ja normalerweise von den geschraubten und den übrigen Ritzeln in seiner Position gehalten.

5. Kettenlinie optimieren

Wenn die Kettenlinie nach Montage von Kettenblatt und Ritzel nicht optimal ist, könnt ihr häufig mit den Spacern bei der Achse spielen und/oder die Einspeichung des Hinterrads verändern.

Falls ihr noch nie ein Laufrad nachgespeicht habt: ihr benötigt dafür am besten einen Nippelspanner. Einen Zentrierständer kann man sich sparen. Mehr Infos findet ihr im Artikel „Hilfe, wenn das Fahrrad eiert – Laufrad zentrieren, Reifen richtig montieren“.

6. Kette spannen

Die Kette muss natürlich vernünftig gespannt sein. Die Kette kann bei unserem Umbau im Wesentlichen über die Position des Hinterrads im Ausfallende des Rahmens gespannt werden (ohne Kettenspanner). Natürlich bietet das nur eine bedingte Bandbreite. Ggf. müsst ihr die Kette ein wenig kürzen.

Die Kettenlängung muss in regelmäßigen Abständen ausgeglichen werden, wenn kein Kettenspanner benutzt wird. Also in der Regel das Rad etwas nach hinten versetzen.

 

Wie schon eingangs geschrieben, erfordern Teile des Umbaus ein wenig Tüftelei. Daher schreibt gerne in die Kommentare, wenn ihr weitere Ideen oder Tipps zum Thema habt.

Der Artikel ist Teil der Serie Schaltung und Antrieb
Ich habe in diesem Artikel Affiliate-Links verwendet und mit einem * gekennzeichnet. Wenn du über diesen Link bestellst, erhalte ich eine Provision vom Verkäufer. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten! Ich verlinke nur Produkte, die ich selber nutze und empfehlen kann!

Das könnte dich auch interessieren

Kategorien

Kommentare

  • Olli (mtb-ms.de)
    28.02.2018, 01:02 Uhr

    Hi Philipp,

    also wenn die Achse nicht schief im Rahmen sitzt, klingt das tatsächlich so, als müsste das Laufrad wieder richtig zentriert werden.
    Habe dazu auch mal einen Artikel geschrieben: https://mtb-ms.de/laufrad-zentrieren-reifen-montieren/

    Das Wichtigste ist, dass man dabei immer nur in kleinen Schritten arbeitet. Ist alles kein Hexenwerk, erfordert aber etwas Geduld. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, wird man dabei auch besser 😉
    Ist in jedem Fall eine Fähigkeit, die man ganz gut gebrauchen kann.

    Gruß
    Olli

  • Philipp
    28.02.2018, 09:02 Uhr

    Sehr schöner Artikel!

    Ich habe mich zum ersten Mal an den Umbau eines alten Bianchi gemacht. Die Kettenlinie habe ich mit einer Schieblehre bestimmt, sollte also eigentlich alles passen. Mit den Spacern hat auch alles gepasst. Leider steht das Laufrad recht schief in den Ausfallenden. Unten passt es, oben (wo die Bremse angebracht würde), zieht’s stark in eine Seite. Würde es helfen, das Rad neu zu zentrieren? Hast du da irgendwelche Erfahrungen und/oder Tipps?

    Lieben Dank! Und Gruß auch aus Münster!
    :-)

  • Klaus Sinder
    26.02.2018, 12:02 Uhr

    Solltet mal auf https://bikersstickers.com/de/pages/our-stickers.html vorbeischauen. Kannst nun Sticker bestellen mit deinem Namen und deiner Landesflagge! Das sieht sehr gut aus am Fahhrad und lässt sich an jeder Position befestigen.

    Liebe Grüße