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Der fertig lackierte Fahrradrahmen

Fahrradrahmen lackieren

Werkstatt
Seit der Veröffentlichung dieses Artikels zum Lackieren von Fahrradrahmen in 2011 habe ich einige weitere Fahrräder neu lackiert. Ziel war es, mit kleinem Budget und einfachen Hausmitteln ein Fahrrad selbst zu lackieren. Hier findet ihr meine gesammelten Erfahrungen aus den verschiedenen Projekten.

Vorbereitung

  • Schwierigkeitsgrad: aufwändig, handwerklich aber für jeden Hobbyschrauber machbar. Die Demontage und anschließende Montage kommt noch dazu. Die lasse ich hier außen vor.
  • Dauer: Mehrere Tage (inkl. Tockenzeiten)

Benötigtest Werkzeug

  • Atemschutzmaske und Filter

    Ich habe einmal ohne lackiert und das Zeug setzt sich wirklich überall in den Atemwegen und den Schleimhäuten ab. Nicht ohne empfehlenswert. Auch einfache Masken fand ich nicht sehr hilfreich, daher habe ich mir eine vernünftige zugelegt.

  • Arbeitshandschuhe
  • Lackiereranzug
  • Froße Abdeckfolie

    Falls ihr euch nicht die Räumlichkeiten versauen wollt

Falls ihr zunächst noch eine alte Lackierung entfernen müsst, bietet sich ggf. ein Schleifgerät an. Damit kommt man nicht in alle Ecken, es nimmt einem aber viel Arbeit ab.

Mit Abbeizern habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Die einfachen aus dem Baumarkt sind wohl nicht aggressiv genug und die anderen sind schon hochgiftig…

Wenn ihr wissen wollt, welches Werkzeug und Ersatzteile ihr für das Mountainbike zu Hause haben solltet, dann schaut mal meinen Artikel über eine Werkzeug-Basisausstattung.

Benötigtes Material

  • 500ml Grundierung
  • 1000ml Lackspray
  • 500ml Klarlack

    Beim Klarlack ist Stoß-, Abrieb- und Kratzfestigkeit besonders wichtig. Hier besser auf ein hochwertigeres Produkt zurückgreifen (gleiche Marke, wie die anderen Lacke). Näheres siehe unten.

  • Filler

    Falls ihr Dellen o. ä. ausbessern wollt

  • Sprühkappe

    Die Sprühkappen bei den meisten Dosen sind nicht besonders gut. Zudem ist die Lackverteilung sehr großflächig. Ihr könntet euch eine kaufen, die weniger großflächig lackiert.

  • Schleifpapier

    Verschiedene Stärken, v. a. auch sehr feines (ab 800er)

  • Fahrradreiniger oder Spüli 🙂
  • Rostumwandler

    Falls ihr Rost am Rahmen findet

  • Aceton

    Alles fettfrei machen

  • Lackreiniger

Grundierung und Lacke sollten von der gleichen Marke sein, damit es keine Probleme bei der Verarbeitung gibt.

Achtet genau auf die Anwendungshinweise! Trockenzeiten, Zeiten nach denen überlackiert werden kann, bzw. bei 2-K-Lacken muss, sind äußerst wichtig für ein gutes Ergebnis.

Wo sollte man lackieren?

Ein idealer Ort zum Fahrradrahmen Lackieren erfüllt folgende Kriterien:

  • ausreichend Platz: Es sollten keine anderen Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen und niemand anderes gestört werden
  • gut belüftet
  • Temperatur von ca. 15 bis 21 Grad sind ideal (abhängig vom Lack)
  • trocken
  • keine Zugluft
  • staubfrei

In manchen Lackierereien und Werkstätten kann man einen Raum mieten, aber das widerspricht natürlich der Idee, das Projekt möglichst günstig umzusetzen.

Bei gutem Wetter kann man durchaus auch draußen lackieren. Nachschleifen und polieren muss man eh.

Welchen Lack sollte man für den Fahrradrahmen verwenden?

Ich habe bisher die unterschiedlichsten Lacke aus dem Baumarkt ausprobiert. Die besten Resultate habe ich dann letztendlich doch mit Autolacken erzielt. In vielen Märkten gibt es z. B. Lacke von Kwasny (www.kwasny.com), die ganz in Ordnung sind und preislich pro Dose (400ml) zwischen 8 und 12 Euro liegen.
Im Baumarkt findet ihr hier zumeist die Aktionsmarke „Racing“. Die Grundierer, Filler und Decklacke sind vollkommen ok. Lediglich der Klarlack ist nicht besonders stoß-, abrieb- und kratzfest. Von Kwasny gibt es auch die Marke Spraymax. Die Lacke sind hochwertiger (etwa doppelt so teuer) und vor allem (meiner Erfahrung nach) mit den Racing-Lacken kompatibel. Ihr könntet also die Grundierung und den Decklack von Racing verwenden und den besseren Klarlack von Spraymax.

Egal was ihr kauf, alle eingesetzten Materialien (Grundierung, Lack, Klarlack…) sollten von der gleichen Marke und Serie sein. Oder ihr solltet deren Zusammenspiel vorher einmal testen oder im Fachhandel fragen.

In jedem Fall solltet ihr immer genau die Anleitung beachten. Das Ergebnis kann stark beeinträchtigt werden, wenn ihr Trockenzeiten o. ä. nicht einhaltet.

Wenn ihr Tipps zu anderen Marken habt, immer gerne…

Das Rad demontieren

Zunächst einmal müsst ihr alle zu lackierenden Teile komplett demontieren. Natürlich könnte man auch versuchen alles abzukleben, aber es ist viel einfacher, wenn das Rad komplett zerlegt ist. Falls ihr euch mit Fahrrädern nur bedingt auskennt, notiert euch, wie die einzelnen Teile montiert sind und macht Fotos. Das erleichtert den anschließenden Aufbau.

Wenn es bei der Demontage mal Probleme gibt, bzw. ihr nicht genau wisst, wie ein bestimmtes Teil zu demontieren ist, probiert es nicht mit roher Gewalt, sondern schmeißt die Suchmaschine eurer Wahl an. Häufig gibt es Spezialwerkzeug, das euch die Arbeit wesentlich erleichtert. Eine Basisausstattung an Fahrradwerkzeug ist auch für kleines Geld zu bekommen.

Nachdem endlich alle Teile entfernt sind, ist das Rad bereit für den nächsten Schritt.

Alle zu lackierenden Teile werden geschliffen

Beim ersten Mal habe ich den Rahmen komplett per Hand abgeschliffen. Das dauert aber durchaus ein paar Stunden und ist recht mühselig.

Mit Abbeizern habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht. Wie gesagt: Die billigen aus dem Baumarkt scheinen nicht aggressiv genug zu sein und die anderen sind schon extrem giftig. Daher verzichte ich lieber auf diese Methode.

Alle weiteren Rahmen habe ich zunächst mit einer Schleifmaschine und anschließend per Hand mit verschiedenen Schleifpapieren bearbeitet. Hier solltet ihr von der Körnung her immer feiner werden (bis etwa 800/1000).

Ihr müsst nicht unbedingt bis auf den blanken Rahmen alles abschleifen. Mit einer anschließenden Grundierung könnt ihr den alten Lack auch einfach anschleifen sowie Rost und Beschädigungen ausbessern.

Anschließend müssen alle zu lackierenden Teile gründlich entfettet werden. Mit Spülmittel und Wasser kommt man hier schon sehr weit. Ggf. könnt ihr Aceton oder etwas ähnliches verwenden. Ihr müsst nur aufpassen, dass der Lack darauf anschließend hält.

Jetzt wird lackiert

Da insbesondere die billigen Sprühdosen (bzw. die Kappen) den Lack nicht nur auf dem Rahmen, sondern auch großzügig in der Umgebung verteilen, ist es wichtig diese, wie auch sich selbst gut zu schützen.

Siehe dazu auch „Wo sollte man lackieren?“.

Zum eigenen Schutz bieten sich ein Schutzanzug, Handschuhe und eine Atemschutzmaske an. Die einfachen Mundschutzmasken taugen übrigens nicht so richtig viel. Ich hatte danach immer eine lackierte Nase ;-) und der Lack hat sich in den Schleimhäuten abgesetzt.

Ich mir nach dem ersten Rahmen eine vernünftige Atemschutzmaske und entsprechende Filter zum Lackieren gekauft. Schaut mal auf die Filter, die waren vorher weiß. Ohne Maske hättet ihr das eingeatmet:

Atemschutzmaske

Tipps

Ein paar Hinweise zum Fahrradrahmen Lackieren selbst:

  • Beim Lackieren ist es besonders wichtig, dass ihr nicht übereilt vorgeht.
  • Achtet auf den vom Hersteller vorgegebenen Abstand beim Sprühen.
  • Tragt lieber dünne Schichten, aber mehr auf, um Lacknasen zu vermeiden – fast nichts ist ärgerlicher. Insbesondere, wenn die Umgebungstemperatur nicht im optimalen Bereich ist, kann das schnell passieren.
  • Nehmt die Zeit zur Vorbereitung der Dosen (Schütteln) ernst und genau.
  • Bevor ihr den ersten Sprühstoß auf den Rahmen abgebt, testet die Dose an etwas anderem (einem Stück Pappe z. B.).
  • Achtet darauf, dass der Sprühkopf sauber bleibt.
  • Schüttelt die Dose gelegentlich für einige Sekunden, um bei günstigen Dosen den Sprühdruck gleichmäßig zu halten.
  • Wenn sich die Dose dem Ende neigt, versprüht nicht auf Teufel komm raus den letzten Rest auf euren Rahmen. Gerade am Ende kann es schnell zu Tropfenbildung kommen, wenn der Druck nicht mehr stimmt.

1. Grundierung

Egal, ob ihr einen blanken Rahmen habt oder noch Reste der alten Farbe vorhanden sind, eine Grundierung lohnt sich immer. Die Decklacke halten dann besser und ihr könnt ggf. mit einer Kombination aus Grundierung und Filler noch kleinere Macken ausbessern.

Zwei Schichten Grundierung sollten in der Regel ausreichen.

Nach ausreichender Trockenzeit (siehe Angaben vom Hersteller) schleift ihr die Grundierung erneut mit feinem Schleifpapier an und befreit den Rahmen vom Staub.

2. bunter Decklack

Jetzt ist der Rahmen vorbereitet für den Decklack. Hier empfehlen sich drei bis vier Schichten. Zwischen diesen müsst ihr ebenfalls die Trockenzeiten beachten (staubtrocken reicht i. d. R.).
Hier könnt ihr auch kreativ werden: Lackiert mit unterschiedlichen Farben, maskiert Formen, Schriftzüge o. ä., macht Verläufe… Natürlich ist es einfach, zunächst einmal alles uni zu lackieren.

Nach dem der Decklack getrocknet ist, könnt ihr das Ergebnis am besten noch einmal polieren, um Reste des Sprühnebels zu entfernen.

3. Aufkleber

Wenn ihr später Aufkleber auf dem Rahmen anbringen wollt und diese noch besser geschützt werden sollen, wäre es sinnvoll, diese unter dem Klarlack anzubringen. Besonders gut eignen sich Transfer-Aufkleber. Im Netz findet ihr oft auch Replikationen von Original-Aufklebern alter Räder. So könnt ihr einen Rahmen wieder annähernd originalgetreu aufbereiten.

4. Klarlack

Zuletzt bringt ihr drei bis vier Schichten Klarlack auf. Hier wie gesagt besonders auf Stoß-, Abrieb- und Kratzfestigkeit achten.

Bevor ihr alles wieder zusammenbaut, sollten alle lackierten Teile vollständig aushärten – sonst dreht ihr euch bspw. mit den Schrauben die Lackschichten wieder kaputt. Lasst hier ruhig eine Woche vergehen… auch wenn es vermutlich schwer fällt 😉

Projekte

Der Artikel ist Teil der Serie Rahmen
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Kategorien

Kommentare

  • SG

    Hi tolles Tutorial aber wie siehts mit den Kosten aus?

  • oliverliebsch

    Hi, danke! Ich versuche das mit den Kosten mal im Nachhinein zu rekapitulieren:

    Schleifpapier, Abdeckfolie, Lackiereranzug, Handschue: ca. 20 Euro

    Atemschutzmaske und Filter: Am Anfang hatte ich hier ganz einfache für ein paar Euro, die sind aber nur bedingt zu empfehlen. Habe mir dann eine Halbmaske von 3M gekauft (ca. 20 Euro) + Filter (ca. 18 Euro). Die lässt sich auch weiter verwenden.

    Farben: Die haben pro Farbdose ca. 8 Euro gekostet. Ich meine ich hätte 2-3 Dosen weiß, 2 Dosen schwarz, 1 Dose grün und 2 Dosen Klarlack verwendet. Also ca. 64 Euro.

    Das Werkzeug zur Montage und zur Reinigung hatte ich bereits. Gerade beim Werkzeug gibt es von sehr günstig bis extrem Teuer alles. Ich glaub mein Basis-Werkzeug-Set ist von Aldi ;) – aber es funktioniert auch nach x Jahren noch (bis auf den Kettennieter).

    In einem zweiten Lackierversuch, habe ich ein MTB ganz matt-schwarz lackiert. Hier zu sehen: http://mtb-ms.de/mountainbiken/mountainbike-stadttauglich-und-verkehrssicher-machen/ – Artikel folgt. Dafür habe ich eine andere „günstige“ Farbe verwendet, die sonst für Ofenrohre benutzt wird (ca. 10 Euro die Dose). Die hält bisher sehr gut.

    Ich werde mich aber beim dritten Rad dann mal vorher beim Lackierer erkundigen :)

    Falls du andere gute oder schlechte Erfahrungen machst, würde mich das auf jeden Fall interessieren.

    Gruß
    Olli

  • Dana

    Hi ich hätte ein tip zum auseinander Bauen, alles fotografieren, das mach ich meistens, wenn ich was auseinander nehme, das hilft ganz gut! :-)
    Lg Dana

  • oliverliebsch

    Ja, das ist sicher keine schlechte Idee :) Wenn man viele Komponenten und Einzelteile hat, verpacke ich zusammengehörende Teile auch gern gemeinsam in kleine Tüten, damit man später nicht suchen muss, wo denn jetzt genau die Schraube von der Bremse abgeblieben ist…

  • So machen es die Profis ? http://youtu.be/PHq-aijsMuQ

  • Paul

    Super Anleitung! Danke für die Arbeit.

  • Hi Paul,

    gerne. Freut mich, dass du damit etwas anfangen konntest.

    Gruß
    Olli

  • Ria

    Danke für die Anleitung. Ich probiere mich gerade zum ersten Mal am lackieren und habe per Hand geschliffen, da die Aufkleber sehr schwer abzukriegen waren habe ich verschiedenes ausprobiert. Zu erst habe ich die Aufkleber mit einem Spachtel abgekratzt, dabei muss man vorsichtig sein, um nicht bis aufs Aluminum zukratzen. Da dann aber noch hartnäckige Reste vom Kleber übrig waren habe ich Stahlwolle benutzt und war sehr zufrieden. Ich habe eine recht feine Stahlwolle verwendet und habe den kompletten Rahmen überarbeitet, geht meiner Meinung nach schneller als mit Schleifpapier und ist auch flexibler.

    Grüße
    Ria

  • Hey Ria,

    danke für deinen Hinweis! Ich hab immer noch einen Blogpost in der Mache, der zum Thema komplette Entlackung ist, aber ich komme nicht dazu ihn fertigzustellen 🙈

    Bei Aufklebern hat mir auch oft ein Fön geholfen. Mit der Hitze bekommt man den Kleber ggf. wieder weich/flüssig.

    Gruß
    Olli

  • Stevie

    Hey Olli, danke für die coolen Beschreibungen und Beiträge! Bisher alle sehr gespannt gelesen!

    Kleinere Fragen hätte ich dennoch.. mit welcher Körnung hast du denn angefangen zu schleifen? Sollte nicht allzu grob sein, um tiefere Kratzer zu vermeiden oder? Ist es von Vorteil den kompletten Lack abzuschleifen? Da das Bike von 1975 ist, hat sich einiges an Flugrost angesammelt, da würde ich jetzt unbehandelt einfach drüberschleifen..

    Habe gerade mein Projekt eines alten Peugeot Bikes gestartet und mache das zum ersten mal.

    Danke dir!

    Gruß Stevie

  • Hey Stevie,

    also ich habe immer mit einer 150er Körnung bei Stahlrahmen angefangen und dann geschaut, wie gut das funktioniert.

    Tatsächlich habe ich bisher nur einen Rahmen komplett „per Hand“ abgeschliffen. Mit Unterstützung von einer Schleifmaschine und Schleifaufsätzen für die Bohrmaschine.
    War eine ziemlich aufwändige Geschichte.

    Ansonsten habe ich den alten Rahmen nur abgeschliffen, Roststellen und Dellen ausgebessert und dann direkt lackiert.

    Komplett abschleifen und dann auch neu grundieren bringt natürlich das beste Ergebnis und bei viel Rost ist das vermutlich eine gute Idee. Ist aber wie gesagt wirklich viel Arbeit 😉

    Ansonsten nicht an den Lackierschichten sparen. Insbesondere beim Klarlack. Soll ja was aushalten.

    Viel Erfolg!

    Gruß
    Olli